KW49/03.12.2003 - Niederräder Anzeiger

 

Geschenkideen für Leseratten

 

Beliebtes Bücherbuffet in der Schwanheimer Bücherei

 

13. Vorstellung in Sachen Literatur. Dazu bedurfte es - wie immer – erst mal umfangreicher Vorarbeiten, denn die Mitglieder des Schwanheimer Lese-Fördervereins SCHWALB schrieben unzählige Buch-Verlage an oder besuchten sie auf der diesjährigen Buchmesse, um Neuerscheinungen als Freiexemplare für das Bücherbuffet zu lesen und zu besprechen. Später kommen sie dann dem Bestand der Stadtteilbücherei zugute. Also, zwei Fliegen mit einer Klappe. Außerdem sollen mit den "schweren", sprich gebundenen Büchern (im Frühsommer werden Taschenbücher besprochen) gleichzeitig Ideen für den Weihnachts-Gabentisch sein. Eineherausragende Besprechung war "Der Garten der Lüste", ein Buch, das Helge Rensch-Bergner "so malerisch" dem zahlreich erschienen Publikum vorstellte. Hier versucht der Autor John Vermeulen die Identität des Malers Hieronymus Bosch recht kritisch zu durchleuchten. Wer oder was war H. B.? War er Ketzer oder Drogensüchtiger, war er ein Lüstling oder ein Genie? John Vermeulen führt den Leser in zahllosen aneinander-gehängten Adjektiven und analysierenden Dialogen tief in die finstere Welt des Mittelalters und in die Epoche der Inquisition, als besondere Begabungen oder Talente von Frauen kurzerhand als Hexereien abgestempelt und geahndet wurden. Der Alchimist H. B. mischte seine Farben selbst, mit Honig, dass sie besser fließen. Man kennt seine gemalten Szenen zwischen Hölle und Paradies oder zwischen Furcht und Gehorsam - für ihn war es seinerzeit aber wohl ein einziger Kampf gegen die Heuchelei der Kirche und die Repressionen der Obrigkeit. Auch in der Geschichte recherchierte Uwe Timm, der ehemalige Stadtschreiber von Frankfurt, in seinem Buch "Am Beispiel meines Bruders". Das ist eine autobiografische Geschichte, als der ältere Bruder sich freiwillig zur SS- Totenkopf- Division meldete und in der Ukraine fiel. Eine deutsche Vergangenheit, die Conny Kappe-Hengstler vorstellte. Ebenfall seine deutsche Geschichte ist das Buch "Meine freie deutsche Jugend" von Claudia Rusch. Kerstin Ort plauderte im Ton der Autorin über eine eigentlich glückliche oder wenigstens unbeschwerte Kindheit in der DDR. Mit Herz und Humor geht es da um Episoden wie den "kandierten Apfel" oder verbotene Honecker-Witze vor Polizisten, wobei die Autorin Freund und Feind allenfalls beim "Mensch ärgere Dich nicht" unterscheiden kann. Ein Teil der Bücher führte dann das Publikum in die weite Welt: Dieter Koch nach Chile, Kerstin Ort in die Antarktis und nach Tschetschenien, Patricia Grove-Smith in ein ungenanntes südamerikanisches Land und Helge Rensch-Bergner in Assia Djebars Roman "Frau ohne Begräbnis" in ihr Heimatland Algerien. Die gesamte literarische Arbeit der Autorin wurde dazu mit dem "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" gewürdigt.  Richard Schmidt